Gicht

Die Gicht beruht auf einer zu hohen Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie). Harnsäure wird im Organismus aus endogenen synthetisierten und über die Nahrung zugeführten Purinen gebildet. Ihre Ausscheidung erfolgt zu ca. 80%  über die Niere.
Bei Stoffwechselgesunden halten sich die Harnsäurezufuhr und –ausscheidung die Waage. Eine Erhöhung der Harnsäurekonzentration im Körper kann durch eine vermehrte Säurebildung oder durch eine verminderte Ausscheidung hervorgerufen werden.

Erhöhte Harnsäurewerte führen nicht zwangsläufig zur Gicht, mit zunehmenden Harnsäurekonzentrationen und anderen Gewebsflüssigkeiten steigt aber die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalls. Der Grenzwert liegt bei 6,5mg/dl Blut, da hier  die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure erreicht ist und es ab diesem Wert zunehmend zu Ausfällungen in Form von Kristallen kommt.

Gewichtsnormalisierung:

Diätetische Maßnahmen sind ein fester Bestandteil der Therapie von Hyperurikämie und Gicht. Bei einer asymptomatischen komplikationslosen Hyperurikämie  mit Serumharnsäurekonzentrationen bis 9mg/dl sind sie in der Regel alleine ausreichend. Erst bei einem weiteren Anstieg der Serumharnsäure oder beim Auftreten von Gichtsymptomen werden Arzneimittel notwendig.
Ziel der Ernährungsmaßnahme ist eine dauerhafte Absenkung des Serumharnsäurespiegels auf 5-5,5mg/dl.

Bei übergewichtigen Patienten ist hierfür die Gewichtsnormalisierung von zentraler Bedeutung. Sie muss allerdings langsam erfolgen, da beim Fasten die Gefahr besteht, dass der ohnehin zu hohe Harnsäurespiegel noch steigt.

Purinzufuhr:

Neben der Gewichtsnormalisierung steht die Einschränkung der Purinzufuhr über die Nahrung im Mittelpunkt der Ernährungstherapie. In der Praxis wird zwischen purinarmer und stark purinarmer Diät unterschieden.

Eine purinarme Kost sollte nicht mehr als 500mg Harnsäure pro Tag zuführen, bei einer streng purinarmen Kost liegt die maximale tägliche Harnsäurezufuhr bei 300mg.

In der Praxis wird zur Erreichung einer derartigen Kost mit Lebensmitteltabellen gearbeitet. Hierbei muss man beachten, dass teilweise der Puringehalt angegeben wird, teilweise der Gehalt an Harnsäure, der daraus im Organismus entsteht, das sogenannte Harnsäureäquivalent.
1mg Nahrungspurin wird im Organismus zu 2,4mg Harnsäure verstoffwechselt.

Lebensmittelauswahl:

Prinzipiell gelten Innereien, Fleisch, Fisch sowie Hülsenfrüchte als purinreiche Lebensmittel. Purinarm sind dagegen Eier, Milch- und Milchprodukte sowie die meisten Gemüsesorten.

In der Praxis ist eine ovo-lacto-vegetabile Kost* daher am besten geeignet, um eine purinarme Ernährung zu erzielen. Wer nicht auf Fleisch verzichten will, sollte den Verzehr auf 100-150g/Tag beschränken. Innereien und purinreiche pflanzliche Lebensmittel (Hülsenfrüchte, Spinat, Kohl) sollten möglichst gemieden werden.
Eine streng purinarme Diät lässt sich nur bei weitgehendem Verzicht auf Fleisch, Wurst und Fisch erreichen. Innereinen und purinreiche pflanzliche Lebensmittel sind hier natürlich tabu.

*Ovo-Lacto-Vegetarismus: Neben pflanzlichen Lebensmitteln, die sowohl roh als auch gekocht       verzehrt werden, sind Milch und Milchprodukte sowie Eier erlaubt. Auf Fleisch und Fisch wird jedoch verzichtet.

Alkoholkonsum:

Problematisch kann der Genuss von Alkohol sein. Geringe Mengen an Alkohol wirken sich zwar nicht wesentlich auf den Serumharnsäurespiegel aus, höhere lassen ihn dagegen deutlich ansteigen.
Bier weist einen relativ hohen Puringehalt auf, weshalb sich der Bierkonsum besonders negativ auf eine Gicht auswirkt.

Fett und Zuckeraustauschstoffen:

Ein hoher Fettanteil in der Nahrung  führt -ebenso wie Fasten- zur Bildung von Ketonkörpern. Sie hemmen die renale Harnsäureausscheidung, sodass der Harnsäurespiegel steigt. Der Fettanteil sollte bei Hyperurikämie / Gicht daher 30-35% der täglichen Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten.
Auch die Zuckeraustauschstoffe Sorbit, Xylit und Fructose führen zu einem Anstieg der Harnsäurespiegel.

Mag. pharm. Hoda El-Samahi