Melatonin

Melatonin ist das bislang einzige bekannte Hormon der Zirbeldrüse (Epiphyse) und wird dort täglich in einer Menge von etwa 20 - 25 µg aus Serotonin gebildet. Melatonin wurde 1959 entdeckt und erhielt seinen Namen, weil es an der Amphibienhaut die Wirkung des Melanozyten-stimmulierenden Hormons (MSH) aufhebt: Die Haut entfärbt sich. Dieser bleichende Effekt wurde bei keiner anderen Spezies beobachtet.

Die physiologische Bedeutung des Neurohormons beim Menschen ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass Melatonin der entscheidende Zeitgeber für die circadianen Rhythmen des Körpers ist. Bei Helligkeit wird die Melatoninsynthese gehemmt, nach Mitternacht misst man die höchsten Plasmakonzentrationen. In den USA betreiben mehrere Firmen die Entwicklung von Melatonin als Arzneimittel gegen Schlafstörungen. In diesem Zusammenhang wurden auch mehrere kleine Studien zur Anwendung bei Jet-lag durchgeführt: In zwei Placebo-kontrollierten Studien mit 17 und 20 Reisenden begannen die Probanden 3 Tage vor dem Flug mit der Einnahme von 5 mg Melatonin zu einer Tageszeit, die etwa 22 - 24 Uhr am Zielort entsprach. Am Zielort wurde die Einnahme 3 - 4 Tage fortgesetzt. Auch der medizinische Dienst der Lufthansa hat in einer kleinen Studie die Wirkungen von Melatonin auf Jet-lag-Symptome untersucht und positive Effekte gefunden. Allerdings warnt der medizinische Dienst ausdrücklich vor der Einnahme der Substanz, da dies einen Eingriff in die subtilen Steuerungsvorgänge des Hormonsystems bedeute, deren Auswirkungen noch nicht untersucht sind.